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Erinnerungsmomente

„Tanzeba“ – so lautet die Schlussformel auf allen jüdischen Grabsteinen. Sie stellt eine Abkürzung dar und beinhaltet einen besonderen Wunsch für die verstorbene Person, der im 1. Buch Samuels zu finden ist: „Seine/ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens“.

An die Mitglieder der ehemaligen jüdischen Gemeinden Trabelsdorf und Lisberg erinnert im Dorfbild auf den ersten Blick nur wenig. Schaut man genauer hin, so entdeckt der Betrachter Stolpersteine vor Häusern, in denen einst jüdische Familien lebten, Namen jüdischer Männer auf dem Kriegerdenkmal in Trabelsdorf und vor allem den jüdischen Friedhof oberhalb Lisbergs, den „bet olam“, d.h. das „Haus der Ewigkeit“. Jedes Jahr gedenkt die Gemeinde Lisberg der ehemaligen Nachbarn, die aufgrund der nationalsozialistischen Politik Ausgrenzung, Entrechtung und Entwürdigung erfuhren, ihr bisheriges Leben aufgeben, ins Ausland, meist in die USA, flüchten mussten oder in den Osten nach Izbica, einem Ghetto in der Nähe Lublins, deportiert wurden. Dort oder in einem der umliegenden Vernichtungslager, wie z.B. Belzec, wurden sie ermordet.

Am Samstag, dem 24. Januar 2026, versammelten sich ca. 25 Personen vor der Alten Schule in Trabelsdorf, um den Holocaustgedenktag zu begehen. Nach der Begrüßung durch den Ersten Bürgermeister der Gemeinde, Herrn Michael Bergrab, und einigen Gedanken zu diesem besonderen Tag der Verantwortung waren die Anwesenden eingeladen, kleine Kieselsteine mit einer Botschaft zu versehen. So wurden Begriffe wie „Schalom“ (Frieden), „Tikva“ (Hoffnung) oder „Or“ (Licht) auf die Steine geschrieben, die dann bei den Stolpersteinen für die Familie Liffgens niedergelegt wurden. Anschließend wurden die Namen aller Opfer verlesen. Nach dieser Zeremonie informierte ein Vortrag über die aktuelle Situation hinsichtlich des jüdischen Friedhofs in Lisberg. Dieses eindrucksvolle Zeugnis jüdischen Lebens wurde durch das Landesamt für Denkmalpflege kartographiert und fotografiert. In einem zweiten Schritt werden die Grabsteine nun beschrieben und Biographien der Verstorbenen verfasst, bevor Experten die hebräischen Inschriften übersetzen. Einige Eindrücke konnten die Anwesenden bereits durch den Vortrag gewinnen. Vor Ort besteht am Sonntag, dem 17. Mai 2026, um 15 Uhr die Möglichkeit, die Grabsteine selbst in Augenschein zu nehmen, wenn eine Führung auf dem Friedhof stattfinden wird.

“Schalom aleichem“ – „Frieden sei mit euch“: Dieser Wunsch drückt aus, was wir alle benötigen, nämlich Frieden untereinander und in der Welt, damit alle Menschen gut und sicher leben können.

Dr. Christa Horn